Weekly Crime Scene: Tatort/Münster “Der Fluch der Mumie”
Der münsteraner Tatort gehört ob des verschroben-charismatischen Ermittlerteams zu den Beliebtesten der Sendereihe. Grund dafür ist außerdem die Vielfältigkeit der Thematik und der Präsentation: Diese reicht vom brisanten Sozial-Krimi über avantgardistische Filmexperimente bis hin zu kömodienhaften Klamauk. Die Tendenz zu letzterem resultiert bereits aus dem Entwurf des Ermittlerteams, und so schlug man auch am letzten Sonntagabend munter in diese Kerbe.
Der Fall entwickelt sich wie folgt: Der Vater von Komissar Thiel entdeckt während der Entrümpelung eines Dachbodens der Familie Schorlemer eine alte Mumie. Zwischen dem herbeigerufenen Archäologen Kastner, der die Mumie ins alte Persien zurückdatiert, und dem spontan heraneilenden Boerne entbrennt ein akademischer Streit um das wissenschaftliche Untersuchungsrecht der Mumie. Schnell kommen Boerne zweifel ob der Echtheit der vermeintlichen archäologischen Sensation. Prallel ermittelt Thiel im Fall eines erschlagenen Gefängniswärters – Hauptverdächtiger ist zunächst ein Brieffreund Alberichs, die mit jenem in ein kleine Liebesgeschichte verwickelt wird. Der Kreis zwischen diesen Handlungssträngen wird gen Ende recht eilig, allerdings überraschender als zunächst vermutet geschlagen. Bei der Entwicklung der Kriminalstory greift man auf herkömmliche, teilweise floskelhafte Elemente zurück, z.B. die Zigarettenkippen und der Klingelton, der den Täter entlarvt. Vorhersehbarkeiten wie der flotte Spruch Biels, nachdem dieser nach mehreren Tage ohne Dusche in eine Waschstraße geriet, scheinen bewusst und implementiert. Ähnlich verhält es sich mit der filmerischen Gestaltung: Die Hitchcock-Zitate und die wellssche Kameraschieflage sind hochgradig plakativ eingeflochten worden, um diesen Kriminalklamauk zu entwickelen.
So scheint der Fokus insbesondere auf die im Vergleich zu seiner normalen Form nochmal gesteigerte Schnöseligkeit Boernes und die Parodie der akademischen Geltungssucht gerichtet zu sein, die sich vermutlich nirgends besser darstellen ließe, als in Münster und dem Charakter Boernes. Insgesamt ist dieser Tatort interssant, nicht für seine ausgeklügelte Kriminalstory oder seine gefühlvolle Millieustudie, sondern seiner offen zur Schau gestellten Formelhaftigkeit. Diese so subtil und selbstironisch zu gewanden ist nicht einfach und sorgt im mindesten, hat man sich darauf eingelassen, für kurzweilige Abendunterhaltung.
