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Gilt das Fernsehen selbsternannten Intellektuellen gemeinhin als kultureller Sumpf bar jedweder Qualität, ist Fernsehwerbung das lodernde Höllenfeuer, jedes Reflexionspotential verzehrend. Zurück bliebe ein Residual aus primitiven Reflexen und basalen Trieben. Der Konsum.

Abgeschottet durch dieses Bollwerk der Ignoranz verschlief man eine televisionäre Hochphase vor wenigen Jahren, während der nicht nur Filme von Kubrick, Kar-Wai, Godard, Marker, Jodorowsky und einer Vielzahl anderer Regisseure in aller Regelmäßigkeit gezeigt wurden, sondern sich elitärer Pseudokulturhunger mit Leichtigkeit durch zahllose regelmäßige Sendungen hätte stillen lassen.

Da TV-Werbung aus den gleichen Gründen erst recht unter dem Radar verschwindet, hier einige Beispiele äußerst gelungener Spots.

Guiness mit einem Spot in elegischer Schwarz-Weiß-Ästhetik, der Anmut und Kraft über kunstvoll-metaphorische Bildsprache transportiert.

Jägermeister bedient sich zumindest in der ersten Spothälfte bei Michael Mann und seinem urbanen Hochglanz-Noir-Stil – man denke an die poetische Wolf-Szene aus Collateral.

In einem Spot der Natural Confectionary Company verbindet man minimalistische Optik mit Nonsense-Humor im Geiste Monty Pythons. (Die anderen Spots aus dieser Serie sind ebenfalls sehenswert, z.B. dieser)

Epuron verwendet das klassische Stilmittel der Personifikation auf besonders gefühlvolle Weise. Minor Advertising nach Deleuze?

Die nächsten beiden Spots gleiten zwar ins Sentimentale ab, sind auf ihre Weise aber auch einen Blick Wert.

Dieser Spot der Telekom besticht durch unvergleichliche Nähe und Intimität sowie verträumt-emotionale Musik.

Leicht pathetisch aber eindringlich und warmherzig kann auch für Verkehrssicherheit geworben werden. Auf die cineastischen Kenntnisse des Regisseurs sei besonders hingewiesen – Antonioni wird innerhalb von Werbespots nicht gerade häufig zitiert.

Zum Abschluss seien exemplarisch vier Werbungen des Baumarkts Hornbach verlinkt, der das Werbefernsehen auf das möglicherweise höchste Podest aller Zeiten gehoben hat. Die kontinuierliche Qualität der Spots ist beängstigend. Fast spielerisch zerfließen surreale Elemente, hochkreative Bilder, mystische Überhöhungen und absurder Humor zur definitiven Werbeästhetik der 00er.

Imagination mit einem fincheresken Charme aus Düsternis und Ruin.

Spot aus einer Serie, in der man seinen avantgardistischen Anspruch selbst bestätigt und Blixa Bargeld Werbungen Sprechen lässt.

Schlicht genial.

Für den Spot Hymne erhielt Regisseur Nico Beyer den Preis “Die Klappe”.

~ von derpharao am 12. Mai 2010.

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