Weekly Crime Scene: Polizeiruf 110/München

Die zwei Extreme des abendlichen Sonntagskrimis zeigten sich an den vergangenen zwei Sonntagen. War der Rostocker Krimi ein Beitrag zu Bundesgartenschau, sublim strukturiert und mit Kohärenzgefühl gepflanzt, eine detailverliebte Ordnung und eine hingebungsvolle Pflege jeder einzelnen Blüte, ist der Münchener Polizeiruf ein kümmerlicher Vorgarten in Duisburg-Rheinhausen, durch den der Gärtnerlehrling einmal quer mit den Gummistiefeln getrampelt ist.

Dabei galt es eigentlich, der scheidenden Stefanie Stapenbeck alias Kommissarin Steiger einen würdevollen Abschied zu bereiten. Ging es durch die Einführung des neuen Kollegen Reiter, irgendwo zwischen mopedfahrendem Macho und lässigem Polizei-Beau, noch schauspielerisch munter und ungewöhnlich direkt zur Sache und ins Bett von Steiger, entpuppt sich der Plot um Frauen bei der Bundeswehr gar als nackter Klamauk. Eine Soldatin wird ermordet, die Stubengenossinnen schweigen zunächst, verstricken sich aber in Widersprüchlichkeiten. Der Ausbilder der Truppe gibt sich – ungewöhnlich für solche Szenarien – gerne als harter Schleifer, wird dank dem kleinen Krimi-Lehrbuch als ablenkender Verdächtiger eingeführt, entpuppt sich gen Ende dank eines Ekel-Videos (bis dahin als corpus delicti gehandelt) jedoch lediglich als Sadist. Steiger und Kollege ermitteln dank Schützenhilfe durch Steigers Vater, einem Offizier, in der Truppe, die Ermittlung kulminiert in einem blödsinnigen Amoklauf der Täterin. Die handelte – noch ein hochraffinierter Plot-Twist – aus Eifersucht. Die ganze Chose wird vor allem gegen Ende von zahllosen Plattitüden und pappmascheeartigen Dialogen ausstaffiert. Formal erschöpft sich die filmerische Kreativität in zahllosen Schuss-Gegenschuss Dialogen und – Avantgarde aufgepasst – Flashbacks.

Wir lernen: Einen Film einzig von solidem Schauspiel tragen zu lassen funktioniert zwar gelegentlich. Aber meistens nicht. Und schon gar nicht, wenn wirklich alle anderen Komponenten – Drehbuch, Regie, Kamera, etc. – auf der Ebene der Zeche Auguste Victoria agieren. Schade eigentlich, da Steiger ihren Abschied dankenswert unprätentiös und lebensnah inszeniert.

~ von derpharao am 10. Mai 2010.

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