Georg Trakl – De Profundis

Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt.
Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht.
Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist.
Wie traurig dieser Abend.

Am Weiler vorbei
Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein.
Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung
Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams.

Bei der Heimkehr
Fanden die Hirten den süßen Leib
Verwest im Dornenbusch.

Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern.
Gottes Schweigen
Trank ich aus dem Brunnen des Hains.

Auf meine Stirne tritt kaltes Metall
Spinnen suchen mein Herz.
Est ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht.

Nachts fand ich mich auf einer Heide,
Starrend von Unrat und Staub der Sterne.
Im Haselgebüsch
Klangen wieder kristallne Engel.

Eines der verzweifeltsten Gedichte aus dem ohnehin pessimistischen Oeuvre Georg Trakls. Klassische Strukturen werden durch ein wechselndes Metrum sowie Ellipsen aufgebrochen und das epochentypische Bild als Medium der Expression in den Mittelpunkt gerückt.  Die geschilderte Tat verschwimmt in düsterer Metaphorik, das lyrische Ich inszeniert die Möglichkeit einer Täterschaft, bleibt interpretatorisch jedoch der Schatten, als der es erscheint.

~ von derpharao am 5. Mai 2010.

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